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Magersucht (Anorexia nervosa)

Die Magersucht ist eine Essstörung, die vor allem bei Mädchen und jungen Frauen im Alter von 12 bis 25 Jahren vorkommt.
Die Betroffenen versuchen durch Einhalten von strikten Diäten oder Nahrungsverweigerung ein möglichst geringes Körpergewicht zu erreichen und dieses auch zu halten, was sogar lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann. Neben Diäten können übertriebene körperliche Aktivitäten (Sport), die Einnahme von Abführmitteln, Appetitzüglern, harntreibenden Mitteln und selbstherbeigeführtes Erbrechen nach dem Essen eingesetzt werden, um den gewünschten Gewichtsverlust herbeizuführen. Das Körperidealbild ist geprägt von extremer Schlankheit.
Die Diagnose Magersucht wird gestellt, wenn neben den anderen hier angeführten Symptomen das tatsächliche Körpergewicht 15% unter dem Normalgewicht oder der Body-Mass-Index unter 17.5 liegt. (Den Body-Mass-Index berechnet man folgendermaßen: Körpergewicht in kg dividiert durch die Körpergröße in Meter zum Quadrat: kg/m²).

Die an Magersucht leidenden Mädchen und Frauen haben große Angst dick zu werden und an Gewicht zuzunehmen. Trotz des bestehenden Untergewichts fühlen sie sich noch immer zu dick oder finden, dass gewisse Körperteile wie Oberschenkel, Hüften und Bauch noch immer zu dick seien. Die Krankheitseinsicht fehlt meist und Hungergefühle werden verleugnet; dennoch kreisen ihre Gedanken ständig ums Essen.

Durch die geringe Nahrungszufuhr kann es zu körperlichen Folgeerscheinungen kommen und bei Frauen z.B. die monatliche Regelblutung ausbleiben.
Die magersüchtigen Mädchen und Frauen sind oft leicht reizbar, depressiv verstimmt und ziehen sich von ihrem familiären Umfeld und Freundeskreis zurück.

Warum jemand magersüchtig wird, ist bis jetzt noch nicht hinreichend geklärt. Es wird angenommen, dass gesellschaftliche, psychische und erbliche Anteile für die Entstehung der Magersucht verantwortlich sind. Das in unserer Gesellschaft bestehende Schlankheitsideal hat ebenso einen Einfluss auf die Entstehung der Magersucht wie ein vorherrschendes geringes Selbstwertgefühl sowie Angst und Unsicherheit hinsichtlich der in der Pubertät stattfindenden Geschlechtsrollenentwicklung.

Behandlungsziele in der Therapie der Magersucht sind Gewichtszunahme, Normalisierung des Essverhaltens sowie die Ermöglichung seelischer Entwicklung. Dazu sind psychotherapeutische Maßnahmen und eventuelle medikamentöse Unterstützung (z.B. bei Depressionen) notwendig.

Ess-Brechsucht (Bulimie, Bulimia nervosa)

Die Bulimie tritt vorwiegend bei Mädchen und jungen Frauen im Alter zwischen 15 und 30 Jahren auf. Wie bei der Magersucht sind Frauen in unserer westlichen Gesellschaft mit vorherrschendem Schlankheitsideal betroffen.
Die Ess-Brechsucht ist eine Essstörung, bei der es zu wiederholten Essanfällen kommt. Innerhalb kurzer Zeit werden große Mengen an kalorienreicher Nahrung verzehrt. Um eine Gewichtszunahme zu verhindern, wird nach dem Essen ein Erbrechen der Mahlzeiten selbst herbeigeführt oder es wird streng gefastet. Es können aber auch Abführmittel, Appetitzügler oder harntreibende Mittel eingenommen werden, um eine Gewichtszunahme zu vermeiden.

Diese gewichtsregulierenden Maßnahmen werden von den Betroffenen vor allem aufgrund der übermäßigen Angst zuzunehmen oder dick zu werden eingesetzt. Figur und Gewicht haben einen übermäßig starken Einfluß auf das Selbstwertgefühl der Betroffenen. Die an Bulimie leidenden Frauen sind meist normalgewichtig, sie können jedoch auch leicht unter- oder übergewichtig sein.
Bei einem Essanfall haben bulimische Frauen oft das Gefühl die Kontrolle über das Essen zu verlieren. Die Essanfälle finden meist heimlich statt und sind mit anschließenden Schuldgefühlen und Ekelempfindungen verbunden.

Körperliche Folgeerscheinungen der Essanfälle und des Erbrechens sind u.a. erhebliche Zahnschäden sowie ein Mangel an lebenswichtigen Salzen, der lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen kann.

Die Behandlung der Bulimie erfolgt in erster Linie durch Psychotherapie; Selbsthilfegruppen und Selbsthilfebücher bieten eine Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung. Bestimmte Antidepressiva können die Häufigkeit von Essanfällen und Erbrechen vermindern. Bei Vorhandensein einer ausgeprägten Depressivität werden auch Antidepressiva verabreicht.

Fettleibigkeit (Adipositas)

Adipositas ist eine ernährungsbedingte Krankheit, die durch einen Mangel an naturbelassenen Lebensmittel (z.B. Obst und Gemüse) und durch erhöhte Kalorienzufuhr entsteht. Weiterhin spielen eine erbliche Veranlagung, die verzerrte Wahrnehmung von Hunger und Sättigung sowie seelische Probleme für die Krankheitsentwicklung eine Rolle. Von Fettleibigkeit spricht man im Allgemeinen bei einem Body-Mass-Index von über 30.
Bei Nichtbehandlung der Adipositas können verschiedene Folgeerkrankungen (z.B. Bluthochdruck, Herzkrankheiten und Diabetes) entstehen.

Die Behandlung der Adipositas erfolgt in erster Linie durch eine Änderung des Essverhaltens mit zusätzlicher körperlicher Betätigung. Zum Erreichen dieser Ziele und zur Bearbeitung von psychischen Problemen kann Psychotherapie hilfreich sein. Eine medikamentöse Behandlung kann im Einzelfall in Erwägung gezogen werden.

Hinweise für den Umgang mit Personen, die vermutlich an einer Essstörung leiden:

  • Wenn Sie den Eindruck haben, dass jemand in Ihrem persönlichen Umfeld an einer Essstörung leidet, versuchen Sie ihn in einer partnerschaftlichen, nicht überfordernden Art und Weise darauf anzusprechen. Dies werden meistens gute Freunde oder Freundinnen tun können, aber auch andere Vertrauenspersonen wie z.B. Lehrkräfte.
    Achten Sie dabei auf eine vertrauensvolle Atmosphäre, die von gegenseitigem Respekt geprägt ist.

  • Bieten Sie Hilfe und Unterstützung an, aber vermeiden Sie Überfürsorglichkeit und besserwisserisches Verhalten.

  • Beginnen Sie keine Gespräche über Essen und Gewicht; das löst nicht das Problem.

  • Nehmen Sie keine Schuldzuweisungen vor.

  • Raten Sie der betroffenen Person, sich an eine der hier genannten Hilfeeinrichtungen oder an einen Arzt/Ärztin, Psychotherapeuten/in oder Psychologen/in ihres Vertrauens zu wenden

Allgemeines
Das durch soziale Normen konstruierte Schlankheitsideal inspiriert weite Teile der Bevölkerung zum Fasten und Diäthalten. Im Falle der Essstörungen (Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und Binge Eating Disorder) kommt es zu einer pathologischen Situation, die sich in Hungern und / oder Heißhungeranfällen mit psychischen und physischen Folgen äußert.

Sozio-kulturelle Faktoren
Die soziokulturelle Bedeutung abweichenden Essverhaltens hat sich im Laufe der Geschichte mehrmals gewandelt. Das Fasten war im Mittelalter Bestandteil einer asketischen Lebensweise, die religiös-mystische Erlebnisse ermöglichen soll. Berühmte Beispiele sind die Fastenheiligen des Spätmittelalters (z. B. Prinzessin Margarethe von Ungarn) und die Hungerkünstler und säkularen Fastenwunder des 16. bis 19. Jahrhunderts. Nahrungsverweigerung wurde auch immer wieder zur Durchsetzung von politischen Motiven verwendet. Ein Beispiel sind die Hungerstreiks von Mahatma Gandhi im Kampf um die Unabhängigkeit Indiens.

Abweichendes Essverhalten wurde erstmals 1694 durch den Londoner Arzt Richard Morton als Krankheitsbild beschrieben. Er bezeichnete diese Störung als "nervous consumption".

Essstörungen und Übergewicht treten heute fast ausschließlich in westlich orientierten Ländern auf, wo das sichere und reichliche Vorhandensein von Nahrungsmitteln gewährleistet bzw. ein Überfluss an Nahrung vorhanden ist. Was und wieviel gegessen wird, hängt wesentlich von Zweck und Ziel des Essens ab. Es wird gegessen bzw. gefastet, um die Gesundheit zu stärken, die Stimmung zu heben oder den eigenen Körper zu gestalten.

Prävalenzstudien von Essstörungen zeigen, dass lediglich 1 % aller Essstörungen weltweit das männliche Geschlecht betreffen. Im Gegensatz dazu gibt es eine hohe Prävalenz für Essstörungen bei Frauen und in Berufsgruppen, in denen der soziale Druck schlank zu sein hoch ist, z. B. bei LeistungssportlerInnen, Models und TänzerInnen. Vorwiegend Frauen kommen in eine widersprüchliche Situation, einerseits sollen sie sich um das Wohlergehen und die Ernährung der Familie kümmern, andererseits müssen sie ständig auf ihre Linie achten, um den gesellschaftlichen Anforderungen nach Schlankheit gerecht zu werden. In einer feministischen Sichtweise ist essgestörtes Verhalten eine versuchte aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt, wenn auch mit selbstschädigenden Folgen.

Das Spektrum der Essstörungen
Verlaufsuntersuchungen bei Essstörungen zeigen, dass sich die Essstörungssymptomatik im Laufe der Zeit ändern kann, während das zugrunde liegende psychische Problem unverändert bleibt.

 

Abb. 1: Das Spektrum der Essstörungen nach Meermann und Vandereycken

Das Modell zeigt ein Kontinuum mit extremer Unterernährung und dem Streben nach Dünnsein (restriktive Anorexia nervosa I) an einem Pol und starker Fettleibigkeit (V), bei der das Übergewicht nicht nur durch das Überessen verursacht wird, am anderen Pol. Die Bulimia nervosa (III) nimmt eine zentrale Position zwischen der bulimischen Form der Anorexia nervosa (II) und der latenten Adipositas (IV) ein. Die latent adipöse Gruppe ist mit ihrem Essverhalten und ihrer Anstrengung das Gewicht zu kontrollieren den
Bulimie-PatientInnen sehr ähnlich, nur leiden sie im Unterschied zu diesen meist an Übergewicht.

Manche Betroffene entwickeln nur eine dieser klinischen Formen, während andere sich von einer Position zur anderen bewegen und einen sogenannten Symptomshift zeigen.

Anorexia nervosa

Synonyme
Anorexie, Magersucht, Pubertätsmagersucht

Symptome
Als Leitsymptom der Anorexia nervosa gilt ein Körpergewicht, das zumindest 15 % unterhalb des Normalgewichtes bzw. des in der Wachstumsphase zu erwartenden Gewichtes liegt (entspricht einem BMI von 17,5). Körperliche Erkrankungen müssen hierfür als Ursache ausgeschlossen sein. Es bestehen große Ängste vor einer Gewichtszunahme oder davor, dick zu werden, trotz bestehenden Untergewichtes. Charakteristisch ist eine Störung in der Wahrnehmung der eigenen Figur und des Körpergewichts. Der Gewichtsverlust wird selbst herbeigeführt durch Erbrechen, Einnahme von Abführmittel bzw. Appetitzüglern oder übertriebene körperliche Aktivität. Als Ausdruck einer begleitenden hormonellen Störung kommt es zum Ausbleiben bzw. nicht Eintreten der Regelblutungen, bei Männern zu Libido- und Potenzverlust.

Klinisches Bild
Betroffene sind meist Mädchen in der Pubertät und junge Frauen am Übergang von der Adoleszenz zum Erwachsenenalter. Eher selten ist dieses Krankheitsbild im höheren Lebensalter. Der Erkrankungsbeginn ist oft nicht genau fassbar. Die Sorge um das Körpergewicht, Schlankheit und Diäten gewinnen immer mehr an Bedeutung und es kommt zu einer Vernachlässigung von immer mehr Lebensbereichen. Die sozialen Kontakte reduzieren sich auf wenige Menschen. Das Essverhalten ist bestimmt durch kleinste Mahlzeiten die zumeist alleine im Rahmen bestimmter Essrituale eingenommen werden. Die Nahrungsmittel werden häufig in erlaubte, wie beispielsweise kalorienarmer Käse oder Joghurt, und verbotene Speisen (z.B. fette Speisen) unterteilt. Charakteristisch ist die Verleugnung und Bagatellisierung des selbstzerstörerischen Verhaltens. Es besteht in der Regel keine Krankheitseinsicht.

Zwei Subtypen der Anorexia nervosa
Im Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders IV (DSM-IV) werden erstmals zwei Subtypen der Anorexia nervosa unterschieden.

BINGE-EATING/PURGING-TYPUS
Bei über 50% aller Magersüchtigen kommt es nach einer Zeit des Fastens zu plötzlich auftretenden Heißhungeranfällen. In kürzester Zeit werden riesige Mengen an kalorienreichen und leicht kaubaren Nahrungsmitteln verschlungen. Um der Gefahr einer Gewichtszunahme zu begegnen, wird die Nahrung durch selbstinduziertes Erbrechen und / oder durch die Einnahme hoher Dosen von Abführmitteln wieder ausgeschieden.

RESTRIKTIVER TYPUS
Während der aktuellen Episode der Anorexia nervosa zeigt die betreffende Person kein "Purging"-Verhalten, das heißt es tritt kein selbstinduziertes Erbrechen oder der Missbrauch von Laxantien oder Diuretika auf, und weiters bestehen keine regelmäßigen Freßanfälle. Das niedrige Gewicht bzw. die Gewichtsabnahme wird durch exzessive körperliche Betätigung und durch die Einschränkung der Nahrungsaufnahme erreicht.

Bulimia nervosa

Synonyme
Bulimie, Ess-Brechsucht, Fress-Kotzsucht

Symptome
Als Leitsymptomatik der Bulimia nervosa gelten wiederkehrende Episoden von Essanfällen, die mit einem Kontrollverlust über das Essverhalten einhergehen. Innerhalb kurzer Zeit werden große Mengen kalorienreicher Nahrungsmittel verzehrt. Um einer Gewichtszunahme vorzubeugen, kommt es im Anschluss an den Essanfall zu ausgleichenden Verhaltensweisen, wie selbstinduziertem Erbrechen, Missbrauch von Laxantien, Diuretika, Fasten oder / und exzessiver körperlicher Betätigung. Das Selbstwertgefühl ist übermäßig von der Figur und dem Körpergewicht abhängig.

Klinisches Bild
Die meist weiblich Betroffenen sind im Gegensatz zur Magersucht meist normalgewichtig oder leicht übergewichtig. Dem Essanfall folgt in der Regel das Erbrechen unterstützt durch den Abusus von Laxantien und / oder Diuretika. Bei den Betroffenen besteht ein ausgeprägtes Krankheitsbewusstsein, das mit Schamgefühlen und Ekel verbunden ist. Die Essanfälle werden oft heimlich in Form von Ritualen oder auch ohne jegliche Inszenierung praktiziert.

Zwei Subtypen der Bulimia nervosa
Das DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders IV) unterscheidet bei der Bulimia nervosa analog zur Anorexia nervosa zwei Subtypen:

NON PURGING TYP
Damit sind Personen gemeint, die während der aktuellen Phase der Bulimia nervosa nicht erbrechen oder regelmäßig Laxantien missbrauchen sondern im Wechsel zu den Essanfällen intermittierend fasten und sich exzessiv körperlich betätigen. Diese Form der Bulimia nervosa tritt selten auf.

PURGING TYP
Während der aktuellen Episode der Bulimia nervosa tritt regelmäßig selbstinduziertes Erbrechen und / oder der Missbrauch von Laxantien und Diuretika auf.

Binge-Eating-Disorder

Synonyme
Binge, Heißhungeranfall, Fressanfall

Symptomatik
Bei dieser Essstörung treten regelmäßige Essanfälle mit Kontrollverlust auf. Im Anschluß erfolgen keine kompensatorischen Verhaltensweisen wie Erbrechen, Fasten, Hyperaktivität oder Abführmittelgebrauch. Es besteht ein erheblicher Leidensdruck wegen der Essanfälle. Deutlich ausgeprägt sind Ekelgefühle gegen sich selbst, depressive Gefühle und Schuldgefühle nach dem übermäßigen Essen. Aufgrund der hohen Kalorienzufuhr während eines Essanfalls sind Personen mit einer Binge-Eating-Disorder meist übergewichtig. Als Auslöser dieser Essanfälle werden häufig belastende emotionale Ereignisse angegeben.

Grundsätzliches zur Behandlung von Essstörungen

Die Therapie muß immer am Einzelfall orientiert sein und ist wesentlich abhängig vom Stadium der Erkrankung (akut - chronisch), den körperlichen und sozialen Einbußen und dem verbliebenen Ressourcenpotenzial. Grundsätzlich kann von einem stationären vs. ambulanten therapeutischen Setting gesprochen werden. Ersteres ist bei schwerwiegenden somatischen Problemen, Komorbidität, Suizidalität und bei einem schwierigen sozialen Umfeld das Mittel der Wahl. Dem komplexen Krankheitsgeschehen wird neben einer somatisch orientierten Behandlung auf verschiedenen psychotherapeutischen Ebenen begegnet:

  • verbal im Form von psychotherapeutischen Gesprächstherapien in Gruppen- und im Einzelsetting

  • nonverbal im künstlerischen- oder musikalischen Ausdruck (Kunst- und Musiktherapie) und

  • im Rahmen einer verstärkten Körperwahrnehmung (Körpertherapie, Entspannungsverfahren)

Besonders wichtig für erfolgreiche Behandlungen ist vor allem bei adoleszenten PatientInnen der Einbezug des familiären bzw. sozialen Umfeldes.

Symptomorientierte Behandlung der Anorexia nervosa - Gewichtsrestitution
Ergebnisse der Set-Point-Theorie zeigen, dass das niedrige Gewicht und das Halten von Diäten auch als primäre Ursache für gestörtes Essverhalten, z. B. Heißhungerattacken und psychische Symptome, gilt. Der Gewichtsrestitution wird aufgrund dieser Erkenntnisse im therapeutischen Vorgehen eine entscheidende Bedeutung zuerkannt. Dazu werden Gewichtsverträge mit den betroffenen Personen abgeschlossen und ein normales Essverhalten mit Hilfe von klaren Regeln und Essprotokollen eingeübt.

Symptomorientierte Behandlung der Binge Eating Disorder und der Bulimia nervosa - Anti-Diät-Programme
Im Sinne eines Anti-Diät-Programmes steht eine Behebung des abnormen Essverhaltens (Heißhungeranfälle, ständiges Diäthalten) und nicht eine Gewichtsreduktion im Vordergrund. Wichtig erscheint es, dass die betroffenen Personen die Auslöser für die Essanfälle identifizieren (z. B. durch das Führen von Protokollblätter) und eine Veränderung dysfuntionaler Denkmuster in Zusammenhang mit dem Essen und dem idealen Körpergewicht anstreben.

Komorbidität der Anorexia nervosa und Bulimia nervosa mit anderen psychiatrischen Krankheitsbildern

Depressive Störung
Mit einer Essstörung geht häufig eine depressive Verstimmung einher, die durch die soziale Isolierung verstärkt wird. In Untersuchungen wird postuliert, dass bis zu 90 % der in Behandlung befindlichen AnorexiepatientInnen depressive Symptome zeigen und diese Stimmungslage in 15-58% der Fälle auch nach Normalisierung des Gewichtes weiter anhält.

Zwangserkrankungen
Das klinische Bild einer Anorexia nervosa zeigt Symptome mit zwanghaften Charakter wie z. B. Essrituale, ständiges Kalorienzählen und Abwiegen. Zwanghafte Persönlichkeitsstörungen sind neben ängstlich vermeidenden Persönlichkeitsstörungen bei anorektischen PatientInnen häufig, bei bulimischen PatientInnen eher selten zu finden.

Angsterkrankungen
Insbesondere Soziale Phobien sind bei bulimischen und anorektischen Krankheitsbildern gehäuft zu beobachten. Bulimische PatientInnen leiden oft zusätzlich unter Agoraphobie.

Sucht
Ob es sich bei der Mager"Sucht" um eine Suchterkrankung handelt, wird in der wissenschaftlichen Literatur kontrovers diskutiert. Grundsätzlich werden zwei Positionen vertreten:

  1. Als Sucht wird lediglich eine stoffgebundene Abhängigkeit (Alkohol-, Medikamente- und Drogensucht) verstanden.

  2. Jedes Bedürfnis kann zur Sucht werden, sobald die Kontrolle darüber verloren wird. Demnach können auch Nahrungsmittel als Suchtmittel missbraucht werden. Die Bulimia nervosa ist in ca. 20 % der Fälle noch mit einer stoffgebundenen Abhängigkeit vor allem Alkohol oder Drogen verbunden. Bei der Anorexia nervosa ist die Häufigkeit zusätzlicher Abhängigkeit deutlich niedriger als in einer nicht Essgestörten Kontrollgruppe.

Adipositas

Synonyme
Fettsucht, Übergewicht, Überernährung

Allgemeines
Die Adipositas ist nicht per se eine Essstörung, sondern die aus dem Übergewicht resultierenden psychischen und physischen Folgen machen aus einer Normabweichung ein individuelles Problem. Es wird zwischen einer leichten Form der Adipositas mit einem gleichmäßig verteilten Übergewicht und einer schweren Form, bei der eine regionale Vermehrung des Körperfetts beobachtet wird, unterschieden. Als Folge des Übergewichtes treten gehäuft psychische und physische Probleme auf.

Klinisches Bild
Neben der Fettquantität entscheidet vor allem die Verteilung des Fettgewebes über das gesundheitliche Risiko.

1. ANDROIDE ADIPOSITAS
Diese Form der Adipositas wird als Apfelform charakterisiert. Die Fettverteilung ist hauptsächlich am Körperstamm, besonders in der Bauchregion. Daraus resultiert ein hohes Gesundheitsrisiko insbesondere in Hinblick auf Hypertonie, kardiovaskuläre Erkrankungen und Diabetes mellitus. Dieser Fettverteilungstyp tritt vor allem bei Männern auf.

2. GYNOIDE ADIPOSITAS
Wird als Reithosenfettsucht oder als birnenförmige Adipositas beschrieben. Es kommt zu einer Ansammlung von Fettgewebe, besonders an den Oberschenkeln, im Bereich des Beckens und an den Hüften. Diese Form der Fettverteilung findet sich häufiger bei Frauen. Die körperlichen Folgen der gynoiden Adipositas können als gering eingestuft werden.

Beschreibung des Essverhaltens
Bei übergewichtigen Personen ist häufig das Sättigungsgefühl verlorengegangen. Die Betroffenen essen verteilt über den ganzen Tag ohne klare Gliederung in einzelne Mahlzeiten. Häufig findet die Nahrungsaufnahme auch abends und nachts statt, während über den Tag relativ wenig gegessen wird.

Physische Probleme
Körperliche Begleiterscheinungen des Übergewichts sind Fettstoffwechselstörungen, kardiovaskuläre Erkrankungen, Hypertonie, Gelenksprobleme und eine erhöhte Prädisposition für Diabetes mellitus.

Psychosoziale Folgen
Aufgrund der noch immer bestehenden öffentlichen Benachteiligung von übergewichtigen Menschen kommt es zu einer sozialen Isolation, die häufig mit einer depressiven Stimmung und mangelndem Selbstwertgefühl einhergeht.

Behandlung
Das Prinzip der Behandlung ist eine Wiederherstellung der natürlichen Nahrungsaufnahme durch Hunger und Sättigung bei gleichzeitigem Einhalten einzelner Mahlzeiten. Sinnvoll ist eine Erhöhung des Kohlenhydratgehaltes der Mahlzeiten bei Reduktion des Fettanteils. Nebenbei soll eine Erhöhung des Kalorienverbrauchs in Form verstärkter körperlicher Betätigung angestrebt werden. Bei der Behandlung der Adipositas steht nicht die Gewichtsreduktion im Vordergrund, sondern im Sinne eines Anti-Diät-Programmes eine Korrektur des abnormen Essverhaltens.

Essstörung und Adipositas
Essstörungen stellen bei übergewichtigen Personen die Ausnahme dar. Lediglich 5 % aller adipösen Personen weisen regelmäßige Essanfälle auf. Im DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders IV) werden erstmals Kriterien für diese Störung, die ausschließlich mit unkontrollierbaren Essanfällen einhergeht, definiert (siehe Abschnitt Binge Eating Disorder).

Verwendete Literatur:
American Psychiatric Association (ED). (1994). Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen. Göttingen: Hogrefe.

Brumberg, J.J. (1994). Todeshunger. Die Geschichte der Anorexia nervosa vom Mittelalter bis heute. Frankfurt: Campus Verlag.

Cuntz, U. & Hillert, A. (1998). Essstörungen. Ursachen, Symptome, Therapien. München: Beck.

Janssen, P.L., Senf, W. & Meermann, R. (Hrsg.). (1997). Klinik der Essstörungen. Magersucht und Bulimie. Stuttgart. Fischer.

Reich, G. & Cierpka, M. (Hrsg.). (1997). Psychotherapie der Essstörungen. Krankheitsmodelle und Therapiepraxis-störungsspezifisch und schulenübergreifend. Stuttgart: Thieme.

Vandereycken, W., van Deth & Meermann, R. (1990). Hungerkünstler, Fastenwunder, Magersucht. Eine Kulturgeschichte der Essstörungen. Zülpich: Biermann.